Gewalt gegen Homosexuelle

Gewalt gegen Homosexuelle: Russischer Filmemacher flieht nach New York

Nachdem Militärpolizisten während einer Schwulen-Kundgebung in Moskau mit Schlagstöcken und Elektroschockwaffen auf ihn los gingen, war für den Russen Alexander Kargaltsev die Sache klar: Hier konnte er nicht länger bleiben. Vor zwei Jahren wandte er seiner Heimat den Rücken zu. Verändert hat sich seitdem jedoch wenig.

Seine Homosexualität in Russland frei auszuleben ist zu einem echten Wagnis geworden. (Foto: Andrew Ciscel/flickr)

“Sie ließen uns blutend auf der Straße liegen”, erinnert sich Alexander Kargaltsev gegenüber der “New York Daily News” an die schreckliche Szenerie von damals zurück. Doch nach dem Zusammenstoß zwischen Sicherheitskräften und Homosexuellen war noch lange nicht Schluss. Die Ereignisse zogen zahlreiche weitere Attacken nach sich. Skinheads warteten mit Schlagringen bewaffnet vor den Türen eines Schwulenclubs auf ihre Opfer. Andere verabredeten im Internet gefälschte Dates mit Männern. Auch Kargaltsev, der in New York Zuflucht gefunden hat, fiel darauf herein und wurde brutal zusammengeschlagen.

Heute ist der 27-jährige Filmemacher in Brooklyn zuhause. Und er glaubt, dass sich seit seinem Weggang aus Russland wenig verändert habe. Ganz im Gegenteil: Der junge Mann ist überzeugt, dass Homosexuellen Bashing sogar noch zu einem größeren Problem geworden ist.

Diskriminierung von Homosexuellen wird immer schlimmer

Es gibt mittlerweile eine steigende Zahl an Russen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität in den USA Asyl suchen, weil in Russland gegen Gruppen, die sich mit ihren Rechten befassen, immer härter vorgegangen wird. Erst im vergangenen Monat verabschiedeten die Politiker in St. Petersburg ein Gesetz, das die “Förderung” von Homosexualität verbietet. Damit wird es effektiv zum Verbrechen, darüber zu schreiben, zu reden oder Treffen abzuhalten, die sich mit dem Thema befassen. Auch die bekannten T-Shirts mit der Regenbogen-Flagge könnten durch dieses und andere Gesetze in russischen Städten, nach Einschätzung von Human Rights Watch, illegal werden. “Es wird immer schlimmer”, bestätigt auch Kargaltsev, dem im letzten Mai Asyl gewährt wurde.

21,113 Migranten wurde im Jahr 2010 Asyl in den USA gewährt. 548 von ihnen waren aus Russland. Während die Regierungsvertreter den Grund für die Einwanderung nicht angeben, gibt sich die Interessengruppe “ Equality” auskunftsfreudiger. Sie gibt an, dass sie in den vergangenen zwei Jahren mehr Asylgesuche von russischen Schwulen und Lesben gewonnen hat als aus jedem anderen Land, abgesehen von Jamaika. Insgesamt waren es 18 – inklusive des Falls von Kargaltsev. “Wir beobachten einen Anstieg der Fälle aus den osteuropäischen Ländern”, so Direktorin Victoria Neilson. “Die Dinge stehen in Russland definitiv schlecht. Es ist ein Land, in dem die breite Öffentlichkeit äußerst homophob eingestellt ist und die Regierung nichts tut, um die Leute zu beschützen.”

Immer mehr homosexuelle Russen suchen in den USA Asyl

Lori Adams von Human Rights First, die eine große Gruppe von Asylsuchenden vertritt, bestätigt ebenfalls, regelmäßig Fälle von russischen Schwulen und Lesben auf ihrem Tisch zu haben. “Das Ausmaß der Skinhead-Gewalt ist so extrem, dass die Fälle hier sehr überzeugend wirken.”

2010 erhielt Kargaltsev ein Stipendium an der New York Film Academy in Manhattan und hat die Stadt seither nicht mehr verlassen. Mittlerweile arbeitet er als Berater bei Sothebys. In seiner Freizeit fotografiert er. Eines Tages will er auch ein Buch veröffentlichen. Während seines ersten Jahres in den USA, war er noch geschockt, als er homosexuelle Männer auf offener Straße Händchen halten sah. Heute erinnert er sich daran zurück, was ihm einst ein russischer Klassenkamerad gesagt hatte: Homosexuelle Leute sollten eingekreist und auf eine einsame Insel verfrachtet werden. “Okay, jetzt lebe ich auf der Insel Manhattan.”

In Moskau will man von dieser Freiheit, die er hier erlebt, noch immer nichts wissen. Bereits zum sechsten Mal wurde dort im vergangenen Mai – genau zu der Zeit, in der dem jungen Filmemacher US-Asyl gewährt wurde – eine Homosexuellen Kundgebung verboten. Angeblich auf Grund von Sicherheitsbedenken:

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